Tipps für freie Mitarbeit

Im Zuge der Medienkrise erfolgte für viele Journalisten ein Verlust ihrer Festanstellung, da die Verlage starke Einsparungen machten. Ihre einzige Alternative, wenn sie ihren Beruf weiterhin ausüben wollten, war die Arbeit als freier Autor. Auch wenn sich der Markt ganz allmählich wieder entspannt, ist dies für viele Neueinsteiger in den  Beruf eine wahrscheinlichere Zukunftsperspektive als ein fester Redakteursposten – und für manche sogar die erfüllendere Alternative, denn als freier Journalist hat man neben weniger Sicherheit eben auch eine ganze Menge Freiheit. In jedem Fall ist die freie Mitarbeit eine gute Einstiegsmöglichkeit in den Beruf. Für Journalisten in der Ausbildung empfiehlt es sich, nebenbei für verschiedene Magazine, Lokalblätter oder Online-Medien zu schreiben. Ein sinnvoller Nebenjob – doch wie geht das eigentlich, und was kann man damit verdienen?

 

Formalitäten

Bevor man überhaupt mit einer Tätigkeit als freier Autor beginnen kann, muss man ein wenig Papierkram erledigen. Weil man selbstständig arbeitet, ist es notwendig, dies dem Finanzamt zu melden. Auch wenn man als Freiberufler kein Gewerbe betreibt, muss man die Einnahmen natürlich entsprechend versteuern. Dazu erhält man vom zuständigen Finanzamt eine Steuernummer. Diese muss der Verlag, für den man schreibt, bei seinen Honorarüberweisungen angeben. Es ist möglich, sich von der Umsatzsteuer befreien zu lassen, wenn die erwirtschafteten Gewinne unter 17.500 Euro im Jahr der Eröffnung und unter 50.000 Euro im Folgejahr liegen. Es ist dann allerdings nicht möglich, Vorleistungen (Ausgaben für Recherche, Material, Reisekosten oder ähnliches) von der Steuer abzusetzen. Hier sollte sich jeder Autor überlegen, was sich in seinem Fall lohnt. Bei Studenten, die sich als Autoren nur ein Zubrot verdienen, dürfte in der Regel die Gewerbesteuer höher ausfallen, als die Ausgaben, die die Tätigkeit mit sich bringt.

 

Wie kriege ich Aufträge?

Nachdem der Fiskus informiert ist, kann man zur Tat schreiten. Es empfiehlt sich, klein anzufangen, und erst einmal Lokalzeitungen oder kleineren Magazinen seine Mitarbeit anzubieten. Statt einer regulären Bewerbung dient eine Arbeitsprobe zur Überzeugung – idealer Weise bietet man direkt einen Artikel oder Bericht an, der dem angesprochenen Medium entspricht (z.B. in Thema und Stil). Wer Angst vor unautorisierter Nutzung hat, oder das Endprodukt noch gar nicht fertig gestellt hat (weil sich die Arbeit nur bei Aussicht auf einen Abnehmer lohnt), der fasst den Inhalt des Artikels in einem Exposé zusammen. Dies sollte eine kurze und knackige Darstellung dessen sein, was für den Leser am Ende interessant ist. Beispiele bietet unser Artikelpool. Wer sich bei einer Redaktion mit ein paar Artikeln einen Namen gemacht hat, hat auch gute Chancen weitere Aufträge zu erhalten.

 

Wie viel verdiene ich damit?

Seinen Artikel dann irgendwann in gedruckter Form in der Zeitung zu lesen ist zwar sehr schön, sollte aber nicht die einzige Entlohnung für die Mühe bleiben. Die meisten kleineren Redaktionen bezahlen ihre freien Autoren nach Zeilen, für gelieferte Fotos gibt es Pauschalbeträge. Größere Artikel, etwa Reportagen, Interviews oder Portraits werden oft pro Seite abgerechnet. So genannte feste Freie erhalten meist Tages- oder Stundensätze. Auch die Abrechnung nach Beitragspauschalen oder Zeichenzahl ist möglich. Laut dem DJV (Deutscher Journalistenverband) zahlen einige Lokalzeitungen zum Teil unter 50 Cent pro Zeile und 150 Euro Tagessatz, überregionale Tageszeitungen mitunter mehr als einen Euro pro Zeile und 250 Euro Tagessatz. Seitenhonorare variieren von 150 Euro bei Fachzeitschriften bis 500 Euro oder mehr bei Publikumszeitschriften. Wie die Textbeiträge richten sich auch die Bildhonorare nach Umfang des abgedruckten Beitrags und Auflagenzahlen des entsprechenden Mediums, von 50 Euro für ein einspaltiges Bild bei einer auflagenschwachen Zeitung bis zu 1000 Euro für die Titelseite einer Publikumszeitschrift. Das Spektrum der Verdienstmöglichkeiten ist also groß, und auch wenn es Richtlinien für Honorare gibt, hält sich bei weitem nicht jedes Medium daran.

Bei der Bezahlung entscheidet übrigens nicht der Umfang der abgelieferten Texte, sondern der des tatsächlich gedruckten Artikels. Redigieren und Kürzungen sind ein unangenehmes, aber notwendiges Übel. Es bleibt nun mal immer den Redakteuren überlassen, was sie ihren Lesern in welchem Umfang anbieten möchten. Dabei können auch inhaltliche Veränderungen vorgenommen werden, die aber mit dem Autoren abgestimmt werden müssen. Schließlich steht am Ende sein Name unter dem Artikel.

 

Welche Rechte habe ich an meinem Artikel?

Generell wird dem Verlag nur das Recht zur einmaligen Veröffentlichung erteilt, Zweitveröffentlichungen müssen extra honoriert werden, allerdings mit geringeren Zeilensätzen. Bei Zweitveröffentlichung im Internet empfiehlt der DJV, einen prozentualen Aufschlag zwischen 5 und 20 Prozent zu berechnen. Hierbei sind die Art der Nutzung und die Dauer der Verfügbarkeit im Netz ausschlaggebend. Allerdings ist es in der Praxis oftmals schwierig, diese Forderung durchzusetzen. Es gibt auch das so genannte Allein- oder Exklusiv-Veröffentlichungsrecht. Wird dieses an den Verlag verkauft, darf der Beitrag nicht innerhalb von drei Monaten einem anderem Medium angeboten werden. Es empfiehlt sich, die Veröffentlichungsrechte vertraglich genau abzuklären, damit es später keinen Ärger gibt. Es darf in jedem Fall kein so genannter Global-Buy-Out erfolgen, also der Abtritt sämtlicher Rechte an einem Beitrag. Es wird immer nur die Nutzung in einem bestimmten Umfang und Zeitraum gewährt.

 

Nähere Informationen zu Honoraren, Rechten und Pflichten für freie Journalisten bietet die Info-Broschüre „Vertragsbedingungen und Honorare 2007“ des DJV.  

nach oben

 

 

 

 
 
journalismus-online.de 2007 All rights reserved | Impressum | Kontakt | Engineered by Cramer & Consorten GmbH